Architektur Galerie Berlin

Ausstellungsansicht von "Caramel"

Caramel Fahrt

Nada, niente, rien, tipota, hic, foyi – nothing, Schätzchen! Eigentlich sollte hier nichts stehen. Architektur ist narrativ, sie spricht für sich, sagen die Architekten. Diejenigen zumindest, die sich nicht aufs Dampfplaudern verlegt haben, die zu Recht Selbstbewussten, deren Arbeit Aussage genug ist. Wie diejenigen, um die’s hier auf den nächsten 419 Seiten geht. Günter Katherl, Martin Haller, Ulrich Aspetsberger – Caramel Architekten. Vor zehn Jahren gründeten sie ihr Büro in Wien und mischten von Anfang an die Szene auf. Mit spektakulären Bauten und Wettbewerbsbeiträgen ebenso wie mit ungewöhnlichen Performances. Sie verpassten der österreichischen Hauptstadt die schönste Mistzentrale Europas, deckten die Kulturhauptstadt Linz mit einem so rustikalen wie einladenden, gigantischen Tischtuch und ließen das verblüffte Biennale-Publikum in Venedig im Regen stehen. Doch egal mit welch spielerischer Leichtigkeit sie scheinbar auch an die seriösesten Angelegenheiten herangehen – nichts an ihrer Formensprache ist verspielt, alles macht Sinn. Und ist ein deutliches Statement. Denn es stimmt: Architektur ist narrativ, wenn man genau hinhört, erzählt sie sogar Geschichten. Wie das Betriebsgebäude an der Autobahn, das sich im schwarzen Latexkleid so sexy fühlt, oder das Haus an einem Hang über der Stadt, das so waghalsig auskragt und sich nicht um statische Einschränkungen zu kümmern scheint, sondern fliegen will… (Andreas Russ-Bovelino in: Caramel. Forget Architecture, Schätzchen, Springer Verlag, Wien / New York, 2012)

Günter Katherl, Martin Haller und Ulrich Aspetsberger haben Caramel 2001 gegründet. Seitdem haben die Wiener Architekten zahlreiche Wettbewerbe gewonnen und Projekte realisiert. Dazu zählen neben einer Serie von die Hauptwerkstätten MA 48 in Wien (2004), die Besucherstege ver Voest 2006, die Betriebswerkstätte Ansfelden (2006), die Schulerweiterung KAK+KAT in Krems (2007),  das Erwachsenenbildungszentrum WiFi in Dornbirn (2008), die Wohnanlage Krautgarten in Wien (2011) sowie der Infopoint für linz09 und das Großprojekt Science Park der Universität Linz (2009-2012).

Für ihre Ausstellung „Fahrt“ reisen die Protagonisten abstrakt in der Eisenbahn durch eine fiktive Modellwelt mit applizierten zweidimensionalen caramelprojekten. Die Fahrt durch diese Kunstlandschaft wird aus dem Blickwinkel des Lokführers visuell dokumentiert und via Beamer großformatig live übertragen. Durch die Vergrößerung und die daraus resultierende Unschärfe tritt die Zweidimensionalität der Landschaft und der Modelle in den Hintergrund und erzeugt den Eindruck einer echten Landschaft mit echten Häusern. Mit einfachsten Mitteln werden so Assoziationen möglich, auf deren Grundlage der Betrachter die Grenzen zwischen Realität und Fiktion selbstständig ausloten kann.

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Foto: Jan Bitter

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