Architektur Galerie Berlin

Ausstellungsansicht von "Pool"

Pool Aus dem Archiv der Grundrisse

Es ist wie mit dem American Songbook: Jeder Autor nimmt ein Stück daraus auf, interpretiert, variiert, verändert es und legt es als weiteres, neues Stück wieder zurück ins immer grösser werdende Archiv. Und doch wurde jedes Stück einmal erfunden…

Mit diesem bildhaften Vergleich beschreibt Annette Spiro die fortlaufende Beschäftigung von pool mit dem Thema Wohnungsbau. Denn obwohl die Grundmuster und deren Bausteine – vor allem im genossenschaftlichen Wohnungsbau – immer die gleichen sind, erfordert jede neue Situation auch neue Lösungsansätze. Mit diesem Anspruch erarbeiten die Zürcher Architekten konsequent jedes Projekt, so dass immer wieder neue Variationen entstehen; auch wenn das genossenschaftliche Wohnen dafür keine großen Spielräume zu bieten scheint. Mit der Umsetzung dieser Strategie haben sich pool in ihrer inzwischen 15-jährigen Arbeit einen umfangreichen Erfahrungsschatz an Wohnungstypologien erarbeitet, der sich wie ein Stammbaum (Annette Spiro) lesen lässt. Denn die Grundrisse werden von Projekt zu Projekt solange adaptiert bis daraus eigenständige Lösung entstehen. Die konsequente Durchführung dieser Herangehensweise bedeutet aber auch, dass es keine formale Handschrift gibt: jeder Bau thematisiert die vorgefundenen Rahmenbedingungen auf eigene Art und Weise.

Dieses prozessuale Vorgehen thematisieren pool auch in ihrer ersten Berliner Ausstellung: Eine Collage aus Ausführungsplänen, Grundrisstypologien und zusammenfassenden Übersichten entschlüsselt diese Art grundrisstyplogischer Evolution. Das zentrale Element bilden dabei die den Galerieraum dominierenden Ausführungspläne im Maßstab 1:50 aller bislang realisierten Projekte. Sie verdeutlichen nicht nur die räumliche Detailarbeit, sondern zeigen auch deren konstruktive Umsetzung. Die Pläne werden durch eine vergleichende Zusammenstellung sämtlicher Grundrisstypen ergänzt, die pool in den 15 Jahren ihres Bestehens entwickelt haben. Vervollständigt wird dieser Wissensspeicher durch Datenblätter, die Interessierten als Dialoggrundlage und Kollegen – im Sinne einer Open source – als Instrument zur Entwicklung neuer Typologien dienen. Mit diesem Gedanken versteht sich die Ausstellung bewusst auch als Beitrag zur aktuellen Berliner Wohnungsbaudebatte.

pool formierte sich 1994 zunächst als Diskussionsplattform für Architektur und Städtebau. 1996 begann dann die praktische Tätigkeit als Architektengemeinschaft, 1998 wurde schließlich die Architekten-Genossenschaft mit den acht gleichberechtigten Partnern Dieter Bachmann, Raphael Frei, Mathias Heinz, Philipp Hirtler, David Leuthold, Andreas Sonderegger, Mischa Spoerri und Matthias Stocker gegründet. Darüber hinaus sind sie Mitbegründer der Architektengruppe Krokodil, die neue Lösungen für die „urbane Zukunft der Schweiz“ erarbeitet. Aktuell führen pool einen Entwurfslehrstuhl an der TU Berlin.

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Foto: Jan Bitter

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