Architektur Galerie Berlin

Ausstellungsansicht von "Tatiana Bilbao"

Tatiana Bilbao under construction

Nicht von ungefähr nennen die mexikanischen Architekten Tatiana Bilbao S.C. ihre erste Ausstellung in Deutschland under construction. Denn während in Ausstellungen üblicherweise fertige Gebäude auf perfekten Fotos thematisiert werden, sind hier ausschließlich Fotos vom Bauprozess zu sehen. Sie zeigen nicht nur Details, sondern vor allem auch Perspektiven, die den Baufortschritt und die Baustelle in ihrem sozialen Kontext illustrieren.

Die Fotos werden ergänzt durch eine phänomenale räumliche Intervention. Denn gleichzeitig haben die Architekten aus Mexico City eine zweite Ebene in die Galerie eingebaut, die als „Dach“ für die Ausstellung oder als horizontaler Raumteiler betrachtet werden kann. Sie besteht aus einer typischen Holzkonstruktion, wie sie auf mexikanischen Baustellen für Betonschalungen verwendet wird. Die dafür verbauten Teile stammen von originalen Bauplätzen und wurden eigens für diesen Zweck nach Berlin gebracht. Diese anarchisch anmutende Struktur füllt den Ausstellungsraum komplett aus und präsentiert sich als dekontextualisiertes Objekt, das der Galerie eine „schmutzige“ und zugleich auch erfindungsreiche Atmosphäre verleiht.

Auf der Holzkonstruktion – gewissermaßen über dem chaotisch anmutenden Herstellungsprozess – steht schließlich ein Betonmodell als Symbol für das fertiggestellte architektonische Objekt. Fotografien und Installation diskutieren das Thema der Zusammenarbeit innerhalb der Architekturwelt und der Bauindustrie. Das von mexikanischen Handwerkern hergestellte „Dach“ illustriert dabei das Potential, das Bilbao in der Zusammenarbeit mit den Baufirmen und ihren Arbeitern während des Bauprozesses sieht. Denn üblicherweise zeichnen Architekten Details, die hauptsächlich ihren eigenen Ansprüchen, den Gesetzen oder den Vorstellungen der Hersteller entsprechen. Wenn der Entwurf dann schließlich gebaut wird, endet für die meisten aber der Dialog mit den Handwerkern. Tatiana Bilbao S.C. sieht jedoch gerade in der Kreativität aller am Bau Beteiligten ein enormes Potential, das meist gar nicht genutzt wird.

Deshalb richtet das Büro sein Augenmerk auf Lösungen, die das Resultat der Interaktion zwischen verschiedenen Disziplinen sind. Denn in einem gewissen Sinne spiegeln sich darin die Muster der mexikanischen Gesellschaft wieder: der Ausführungsprozess ist gewöhnlich sehr chaotisch und aufregend – kaum etwas lässt sich dabei exakt vorausbestimmen.

Die Architekten glauben daran, dass diese Verhältnisse am Ende zu einer eigenständigen und hohen Qualität führen, wenn man sie sich nur richtig zunutze macht. Sie betrachten Architekturproduktion als Lernprozess, der nicht nur ihre eigene Verantwortung für die gebaute Umwelt zeigt, sondern auch Vieles lehrt. Letztlich wird Architektur so als Konsequenz von Zusammenarbeit definiert.

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Foto: Jan Bitter

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