Architektur Galerie Berlin

Bauwelt 46 / 2010 Optische Täuschung – Holzer Kobler in der Architektur Galerie Berlin

Agnes Dransfeld

Im Vorbeigehen auf der Karl-Marx-Allee glaubt man, in der Galerie sei ein Architekturbüro eingezogen. Auf den zweiten Blick wird klar, dass man einer optischen Täuschung erlegen ist. Die Architekten Holzer Kobler haben ihr Atelier in Zürich fotografiert, die Abzüge auf große Papierbahnen gedruckt und diese so an die Wände der Galerie gepinnt, dass ein collagiertes Abbild ihres Büros entstanden ist.
Dieses zieht sich bis an die Decke und über den Boden und wird durch schiefe Möbel im Raum fortgeführt (Foto: Architektur Galerie Berlin). Galerie und Ausstellung verschmelzen miteinander, der Besucher hat das Gefühl, sich im Atelier der Architekten zu befinden.

Allerdings in einem besonderen Moment: Es ist, als ob gerade Mittagspause wäre, denn es sind keine Mitarbeiter zu sehen. Hier herrscht das berühmte kreative Chaos, man spürt den geschäftigen Alltag und befindet sich zugleich in einer Art Zeitloch. Gelegenheit, sich in Ruhe umzusehen – es gibt viel zu entdecken: Den Blick durch eine offene Tür in den Modellbauraum, die Flasche Sekt auf der Fensterbank, die Bücher und Zeitschriften, die im Büro gelesen werden. Über die Bildschirme laufen animierte Collagen und die Projekte, die in der jüngst erschienenen Monografie „Mise en scène“ zu finden sind. Das Datum auf dem Telefondisplay – 4. November – belegt die Aktualität der eigens für die Galerie konzipierten Ausstellung. Wer noch genauer hinsieht, entdeckt schließlich doch die Mitarbeiter des Büros. Sie baumeln als Minimännchen an Stehlampen, lugen hinterm Telefon hervor oder sitzen auf zerknüllten Plänen im Papierkorb.

Mit einfachen Mitteln transferieren Holzer Kobler ihre Büroatmosphäre in die Galerie und präsentieren ihr Atelier und ihre Arbeit sehr humorvoll, offen und mutig. Ganz nebenbei entzaubert diese Ein-Raum-Schau auch noch das Klischee vom perfekt aufgeräumten, weißen Architekturbüro.

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