Architektur Galerie Berlin

Bauwelt 23 / 2013 Spiel mit Wahrnehmung und Maßstab

Lisa Paret

Die Architektur Galerie Berlin widmet sich den Rotterdamer Architekten Helena Casanova und Jesus Hernandez. Seit 24 Jahren leben die 1967 geborenen Madrilenen in den Niederlanden, 2001 gründeten sie dort ihr gemeinsames Büro. Zwei Wohnbauten, die die beiden kürzlich in Holland fertiggestellt haben, sind Gegenstand der Ausstellung Scale & Perception.

Da ist zum einen das „Ginkgo Project“, ein Haus mit 26 Wohnungen, 2011 in Beekbergen realisiert – dessen mit Ginkgoblättern bedruckte Glasfassade zwischen einer bestehenden Siedlung und dem angrenzenden Park vermitteln soll; das sind zum anderen die „Black and White Twins“, zwei kompakte Wohnblöcke, einer mit 14 Miet-, der andere mit 15 Eigentumswohnungen, 2012 im Neubaugebiet Blaricummermeent errichtet – deren tiefschwarzes Klinkerkleid durch unregelmäßige, weiß gefasste Öffnungen durchbrochen wird. Für die Ausstellung haben Casanova + Hernandez die Häuser in zwei Miniaturräume übersetzt, mit denen sie eine „Mehrfachwahrnehmung von Architektur“ erreichen möchten.

Beim Eintritt in die Galerie wird der Besucher instinktiv von den leuchtend grünen Kunststoffplatten mit Gingko-Muster angezogen. Dreiseitig fassen sie einen kleinen „Garten“, der mit Kunstrasen, Plastikpflanzen und zwei grünen Campingstühlen ausstaffiert ist. In der Ruhe des Ausstellungsraums und umgeben von so viel Grün, fällt es leicht, sich auf einen Balkon des Ginkgo-Hauses zu träumen und den Parkblick zu genießen.

Die zweite Installation präsentiert sich ungleich rationaler. Das schwarze Holzgitter stellt annäherungsweise die Fassadenstruktur der schwarz-weißen Zwillinge dar. An vier der weiß gerahmten „Fenster“ sind als Äquivalent zu den in realiter dahinter liegenden Innenräumen kleine Boxen mit Bildschirmen angehängt. Es läuft eine Fotoshow über die Twins. In einer Raumecke der Galerie steht eine optische Linse. Beim Blick hindurch zeigt sich eine verzerrte Übereckperspektive der Installation – und mit einem MaI empfindet man diese als Architektur.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Ausstellung ist der Katalog. Er zeigt, was, an den Wänden hängend, ablenken würde vom Dialog der beiden Installationen mit dem grell weißen Galerieraum. Vom Volumenmodell-Foto bis zum 1:1-Detail legt das Buch die verschiedenen Ebenen der Entwürfe sukzessive frei. Und mit den schön gestalteten 104-Seiten in den Händen, legt man sich gerne noch eine Runde in den Campingstuhl und träumt sich in die grünen Niederlande.

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