Architektur Galerie Berlin

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Casanova + Hernandez – Scale + Perception

Herausgeber und Vorwort: Ulrich Müller
Texte: Helena Casanova / Jesus Hernandez, Claus Käpplinger
Fotografien: Christian Richters

Helena Casanova und Jesus Hernandez haben für ihre Ausstellung in der Architektur Galerie Berlin eine stark bildhafte Strategie entwickelt. Unter der Überschrift „Scale & Perception“ konstruierten sie eine beinahe minimalistische Ausstellungsinstallation aus zwei begehbaren Miniaturräumen – einem außen schwarzen und innen weißen Holzobjekt, dessen „Wände“ von verschieden großen Öffnungen durchschnitten sind, und einem Geviert aus transparenten Folien, die mit einem dichten Gingko-Laub-Motiv bedruckt sind. Diese Miniaturräume fungieren als Bildträger für die Wohnungsbauten „The Black and White Twins“ und „The Gingko Project“, die Casanova + Hernandez kürzlich fertig gestellt haben und die gleichsam als Manifest ihrer Arbeit gelesen werden können.

Der Blick der Architekten richtet sich dabei weniger auf die Funktion des Wohnens, sondern auf die Frage, mit welchen einfachen Mitteln sich die Wahrnehmung einfacher Baukörper modulieren lässt. Während dies bei „The Black and White Twins“ eine geometrisch raffiniert strukturierte Fassade ist, wird „The Gingko Project“ durch die verspielt wirkende Ornamentik einer bedruckten Glasfassade geprägt. Von besonderer Bedeutung ist hierbei das Thema der sich verändernden Wahrnehmung durch unterschiedliche räumliche Distanzen. So entpuppt sich die Fassade von „The Black and White Twins“ erst beim Näherkommen als raffiniertes Geflecht aus sich überlagernden linearen Strukturen. Dieses Geflecht wurde auf der Grundlage der Fensteranordnung – als Spiegel der inneren Funktionen – sowie der notwendigen Materialfügungen des Fassadenmaterials entwickelt und kann als abstrahierte Referenz an die Parzellierung der umliegenden Baufelder verstanden werden. Hier musste auf einer riesigen freien Fläche ohne markante Anhaltspunkte eine Form kreiert werden, die eine sinnfällige städtebauliche Struktur ergibt. Demgegenüber steht der bauliche Bestand bei „The Gingko Project“, der auf der einen Seite von einer bestehenden Wohnsiedlung geprägt ist und auf der anderen Seite von einem wunderschönen Park mit altem Baumbestand. Beiden Projekten gemeinsam ist die Strategie, Fern- und Nahwirkung zu einer Wahrnehmungsabfolge zu thematisieren. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch die Ausstellung: Während der Betrachter von außen lediglich einen räumlich neu strukturierten Ausstellungsraum wahrnimmt, erkennt er beim Herantreten die Unterschiedlichkeit der Einbauten und deren Dualität: Hier das rational Begründete, dort das sinnlich Ornamentale. Innerhalb der beiden Miniaturräume sind schließlich Elemente zu entdecken, die auf konkrete Details des Ortes und der Nutzung verweisen. Die derart gestaffelten Ebenen verdeutlichen das Credo von Architektur als funktional gleiche, aber mit unterschiedlich interpretierbaren Schichten verkleidete „Kisten“. Das architektonische Werkzeug der „Haut“ täuscht dabei jedoch nichts vor, was gar nicht ist, sondern bleibt als bewusst gestaltete Membran zwischen Innen und Außen erkennbar. Maßstab und Wahrnehmung als zentrale Themen der Architektur von Casanova + Hernandez werden durch diese Artefakte zugleich konkret und abstrakt in den Ausstellungsraum transformiert.

Der Vertiefung dieses zentralen Architekturthemas dient dieses Buch mit Fotografien von Christian Richters. Diese zeigen aus seiner speziellen Sicht die vielen sich überlappenden Schichten, welche die visuelle Wahrnehmung der Gebäude prägen. Sie werden durch zahlreiche Pläne und Detailzeichnungen ergänzt, in denen die einzelnen Schichten seziert werden um zu zeigen, welche Rolle diese einzelnen „Layer“ bei der Gesamtwahrnehmung spielen. Vervollständigt wird das Buch durch den manifestartigen Text „Scale & Perception: Rethinking Phenomenological Architecture in the Global Age“ von Casanova + Hernandez.

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