Architektur Galerie Berlin

Architektur total – Text zum Programmwettbewerb Bauakademie Berlin (Ein 1. Preis)

Präambel

Der Titel „Nationale Bauakademie“ kann lediglich ein Arbeitstitel sein. Der Anspruch eine führende Institution zu etablieren gelingt ausschließlich im internationalen Kontext und Austausch. Alles andere ist anachronistisch. Deshalb wird als Name Neue Bauakademie vorgeschlagen.

 

1. Das öffentliche Haus / Vermittlungsformate

Die Neue Bauakademie ist ein komplett offenes Haus. Zur konsequenten Umsetzung dieser Konzeption werden ausschließlich öffentlich zugängliche Veranstaltungsformate und Nutzungen etabliert. Deren zentrales Anliegen ist die Vermittlung von Architektur in allen Formaten und Medien – frei nach dem Motto „Architektur total“.

Zentraler Baustein ist das Format Architekturausstellung in all seinen medialen Möglichkeiten (Pläne, Modelle, Fotografie, Artefakte, Intervention, Installation, Werkstatt, VR-Labor). Es wird ergänzt durch Präsentationen Debatten, Konferenzen, Vorträge, Lesungen, Filmvorführungen, Musik, Labore, Workshops, Bibliotheken, Führungen und Exkursionen.

Die zunehmende Bedeutung der digitalen Öffentlichkeit reflektiert sich in eigenständigen Formaten. Das Spektrum reicht von der interaktiven website über Blogs bis hin zu einem eigenen Radio- bzw. Fernsehkanal. Perspektivisch werden Kooperationen mit einschlägigen Rundfunk- und Fernsehanstalten (Deutschlandfunk, Arte, Phoenix, 3Sat) entwickelt.

 

2. Der Hybrid / Programm

Um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen ist die Neue Bauakademie ein Nutzungshybrid. Ein ausgewogenes Verhältnis von wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Veranstaltungen sorgt dafür, dass verschiedene Zielgruppen auch über ihren eigenen Tellerrand sehen. Übergeordnete Jahresthemen sowie die Etablierung von festen Veranstaltungsreihen sorgen für eine inhaltliche Klammer und vermeiden den Eindruck von Beliebigkeit.

Mehrere parallel laufende Ausstellungen thematisieren Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Architektur als gesellschaftlichen und kulturellen Identifikationsfaktor. Den historischen Aspekt veranschaulichen das „Archäologische Fenster“ in Verbindung mit einem „Schaulager“ zur Geschichte und Bedeutung der Schinkelschen Bauakademie sowie die dauerhafte Präsentation von Sammlungsbeständen aus dem Architekturmuseum der TU Berlin. Diese wird ergänzt durch Kooperationen mit der Berlinischen Galerie, dem Bauhaus-Archiv und den Staatlichen Museen Berlin.

Zeitgenössische Tendenzen werden in zwei Formaten vermittelt: Blockbuster-Ausstellungen und kleinere Wechselausstellungen. Die Präsentation international führender Büros (z.B. BIG, Diller Scofidio & Renfro, Herzog de Meuron) sowie großer Themenausstellungen (z.B. „Form folgt Paragraph“ vom Architekturzentrum Wien, „Together“ vom Vitra Design Museum Weil am Rhein und „Afritecture – Bauen mit der Gemeinschaft“ vom Architekturmuseum der TU München) sorgt zwei bis drei Mal im Jahr für große Zuschauerzahlen und mit entsprechender mediale Aufmerksamkeit.

Die Blockbuster werden ergänzt durch kleinere Shows zu Themen wie „Der andere Blick“ (Gastauftritte internationaler Institutionen), „Denk ich an Deutschland“ (Deutsche Architekturinstitutionen zu Gast), „Made in Germany“ (Industriepräsentationen) und „Wild Card“ (Gastkuratoren und Off Spaces).

In diesem Kontext werden auch Zukunftsthemen verhandelt. Die regelmäßige Präsentation von studentischen Projekten und Forschungsergebnissen nimmt dabei einen festen Platz ein. Die öffentlichen Formate werden durch halböffentliche Co-Working Spaces für Stipendiaten (Deutsches Archäologisches Institut, Goethe Institut), ein VR-Forschungslabor und ein Studio „Architekturkommunikation“ erweitert.

Die Strukturierung der übrigen Veranstaltungsformate erfolgt ebenfalls in thematischen Reihen. Beispiele dafür sind „Architektur im Film“ (Filmabend mit Diskussion), „Architektur und Philosophie“ und „Zur Lage des Architektur“ (Vorträge), „Architekturfotografie“ (Vorträge/Ausstellungen), „Architektur und Musik“ (Performances) und „Emerging Architects“. Die Reihen „Das Architekturbuch“ und „digital“ verhandeln Themen der medialen Präsenz. Unter der Überschrift „Architektur und Gesellschaft“ erhält das BMUB ein Schaufenster für seine Arbeit. Gemeinsam mit Obdachlosen und Flüchtlingen werden darüber hinaus Formate entwickelt, die nicht zum Kanon der klassischen Architekturvermittlung gehören.

Das Programm „Education“ widmet sich der Architekturvermittlung an Kindergärten und Schulen sowie für Jugendliche und Erwachsene. Außerdem werden Exkursionen zu Architektur-Highlights in Berlin und Umgebung organisiert. Vorbild für „Education“ ist das gleichnamige Programm des Architekturzentrum Wien.

Zur Unterstützung der Berliner Akteure fungiert die Neue Bauakademie als Basis des jährlich von der Architektenkammer organisierten „Tag(s) der Architektur“, des „Make City Festival(s)“ und des 2018 erstmals stattfindenden Rundgangs „Architecture Exhibitions Weekend“. Höhepunkt der jährlichen Aktivitäten ist der Tag der Bauakademie mit anschließendem „Schinkel-Fest“, für das alle Akteure zu einem Beitrag eingeladen werden.

 

3. Teil vom Ganzen / Netzwerk

Die Stärke der Neuen Bauakademie ist ihr lebendiges Netzwerk mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen nationalen und internationalen Akteuren. Regelmäßige Konsultationen mit den Verantwortlichen der deutschen Institutionen sorgen dafür, dass die Bauakademie keine Konkurrenz zu diesen aufbaut, das gilt insbesondere für das weltweit einmalige Spektrum Berliner Institutionen.

Permanente deutsche Partner sind unter anderem das Architekturmuseum der TU München, das Deutsche Architekturmuseum DAM Frankfurt/Main und das DAZ –Deutsches Architekturzentrum. Partnerschaften mit dem Architekturzentrum Wien, der Cité de l’architecture in Paris, dem CCA in Montreal und dem Dänischen Architekturzentrum sorgen für die Präsenz wichtiger internationaler Forschungsergebnisse.

In den ersten fünf Jahren werden die Ausstellungen überwiegend in Kooperation mit externen Akteuren generiert. Perspektivisch werden es 50% eigene Produktionen sein. Bei der überwiegenden Zahl der Veranstaltungen ist die Neue Bauakademie kuratierender Gastgeber in der Rolle des Katalysators.

 

4. Der Intendant / Organisation

Die Neue Bauakademie wird von einem unabhängig arbeitenden Intendanten geleitet. Er ist international vernetzt und besitzt Erfahrung in der Produktion und Vermittlung sowohl wissenschaftlicher als auch populärwissenschaftlicher Inhalte. Seine Vision und Strahlkraft sorgen dafür, dass die unterschiedlichen Formate und Inhalte ein Gesamtpaket bilden und die Neue Bauakademie zu einem international relevanten Hotspot werden lässt.

Die notwendigen kaufmännischen Grundlagen sichert ein Geschäftsführer. Die Doppelspitze  Intendant/Geschäftsführer wird von den Leitern der Abteilungen „Ausstellung“, „Veranstaltung“ und „Kommunikation“ unterstützt. Die „handwerkliche“ Umsetzung der Programmpunkte erfolgt durch das Team aus Fachleuten für Personal, Verwaltung, Technik/Unterhalt. Herausgehobene Rollen spielen die Abteilungen Vermietung und Finanz/Fundraising.

Der Intendant beruft einen wissenschaftlichen Beirat aus Direktoren deutscher und internationaler Architekturzentren/-museen, Architekten, Wissenschaftlern und einem Vertreter des BMUB, der ihm bei der Entwicklung und Umsetzung der Konzepte hilft. Die regelmäßige Einladung von Gastkuratoren sorgt für die Anbindung an die Szene.

 

5. Kunst und Kommerz / Betrieb

Die Finanzierung des laufenden Betriebes ruht auf mehreren Säulen: Jeweils 25% des Gesamtbudgets werden von der Bundesregierung und Sponsoren aus der Industrie gedeckt. Die gleiche Summe wird durch Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung erzielt (Gastronomie, Buchladen mit Präsentationsflächen für Verlage, Konferenzen und Seminare).

Perspektivisch wird eine eigene Merchandising-Abteilung aufgebaut. In Kooperation insbesondere mit Berliner Modelabels, Designern und Handwerkern wird eine breite Produktpalette auf der Grundlage von Lizenzverträgen entwickelt. Weitere Einnahmen werden durch Eintrittsgelder, Werbung und die Einrichtung eines Freundeskreises erzielt.

Zur Optimierung der Kosten werden mindestens 50% der Ausstellungen und Veranstaltungsformate in Kooperation mit externen Partnern entwickelt und realisiert. Die Entwicklung eigener Formate erfolgt in Ko-Finanzierung mit der Bundeskulturstiftung und sonstigen Forschungsgeldern.

 

6. Viel Schinkel / Architektur

Zeitgenössische Architektur und Wunsch nach Rekonstruktion werden nicht als grundlegend konträre Positionen betrachtet. Für den Diskurs zur Errichtung der Neuen Bauakademie werden folgende Paragraphen definiert:

Neben der Kubatur der Schinkelschen Bauakademie werden für das Projekt folgende Entwurfsparameter übernommen: Die Erschließungslogik, der Innenhof, das Verhältnis Wand/Öffnung und die Gleichheit der Fassaden. Das einheitliche Grundraster und die Geschosshöhen stellen Orientierungspunkte dar.

Der Entwurf folgt dem Prinzip Mehr Raum – weniger Technik. Der Fokus liegt auf der räumlichen und konstruktiven Qualität und nicht auf der technischen Ausstattung.

Vorhandene Originalsubstanz und originale Bauteile werden im Sinne einer Bricolage in den Neubau integriert. Zu diesem Zweck erfolgt eine Katalogisierung als Grundlage des Architekturwettbewerbs.

Das nutzungsneutrale Konzept wird mittels einer innovativen Konstruktion in eine zeitgenössische Form transformiert. Ihre Entwicklung erfolgt in Zusammenarbeit von Ingenieur und Architekt.

Die Neue Bauakademie steht für Offenheit und Transparenz. Sie ist von jeder Seite zugänglich. Die inneren Raumnutzungen ergänzen sich und schotten sich nicht gegenseitig ab. Zu diesem Zweck sind sie vertikal und horizontal vernetzt.

 

Entwurfsverfasser: Ulrich Müller mit AFF Architekten