Crafted by Place stellt die Arbeit des kanadischen Architekturbüros Omar Gandhi Architects als ein Werk vor, dem eine scheinbar paradoxe Dualität innewohnt. Einerseits sind die Projekte eindeutig im jeweiligen Kontext verwurzelt, andererseits verkörpern sie eine permanente Suche nach Neuem und Ungewohntem. Unabhängig davon, ob sie sich in den rauen Küstengegenden von Nova Scotia oder den urbanen Stadträumen Zentralkanadas befinden, ist ihnen immer Eines gemeinsam: Eine ausgewogene Balance zwischen Landschaft und Handwerk, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaextremen und der sensible Umgang mit lokalen Erzählungen. Projektübergreifend ist auch die große Sorgfalt der Gestaltung – vom kleinsten Detail über den Habitus bis zu den Außenanlagen.
Um dieses Zusammenspiel zwischen Tradition und zeitgenössischer Form zu erreichen werden traditionelle Bauformen entsprechend den funktionalen Anforderungen bzw. gestalterischen Ambitionen transformiert, d.h. sie werden gebogen, verschoben, neu zusammengesetzt – oder schlicht durch durch zeitgenössisches Handwerk neu interpretiert. So verwandelt sich eine Hütte in einen Aussichtspunkt im Nebel, ein Restaurant leuchtet wie eine Laterne in einem schlichten Kasten und ein Küstenpfad wächst aus dem Fels wie uraltes Flechtengewächs. Der permanente Abgleich mit dem Vorgefundenen im Entwurfsprozess sorgt dafür, dass die Materialien und Traditionen – sozusagen der Geist – des jeweiligen Ortes in unterschiedlichen Ebenen durchscheinen. Ziel dieser Praxis des „Zuhörens“ ist es, Bauwerke mit Bestand zu schaffen, weil sie mit ihrer Umwelt im Einklang stehen.
In der Ausstellung veranschaulichen Zeichnungen, Modelle sowie Skizzen von gebauten und geplanten Kulturbauten, ländlichen Rückzugsorten und Alltagsobjekten das große Spektrum dieser zugleich „feinfühlig rauen“ und „leise radikalen“ Architekturpraxis. Die raumgreifende Installation übersetzt zugleich, wie emotional und elementar Omar Gandhi Architects Architektur denken und wie präzise und zugleich „wild“ Details sein können.
Omar Gandhi gründete sein gleichnamiges Büro im Jahr 2010 in Halifax, Kanada. 2016 folgten ein Studio in Toronto und 2025 in Berlin. Omar Gandhi Architects erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Professional Prix de Rome des Canada Council und den Emerging Voices Award der Architectural League. 2018 war Gandhi Louis I. Kahn Visiting Assistant Professor an der Yale School of Architecture. Aktuell arbeitet das Büro u.a. an der Riverbend Library in Edmonton (Alberta), dem Outlier Hotel in Eureka Springs (Arkansas) und der Adams Residence in St. John’s (Neufundland).
Mit besonderem Dank an die Partner der Ausstellung:
SPEARHEAD für die Herstellung und Montage der Ausstellung.
Atelier EMBLOSS für das botanische Bühnenbild und die Graslandschaft.
Chad Jamieson, Luke Stock und González Modellbau für die Modelle.