Architektur Galerie Berlin

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Der Tagesspiegel Der weite Schwung

Jürgen Tietz

Es wirkt wie ein Kampf gegen die Gesetze der Schwerkraft, den die vier kleinformatigen, rostig roten Stahlplastiken im Maßstab 1:200 in der Ausstellung Art-City and more im Werkraum der Architektur Galerie Berlin austragen (Karl Marx- Allee 96, bis 10. Jan.). Es sind Modelle für nie gebaute Museen, die Simon Ungers (1957 – 2006) an der Schnittstelle zwischen Skulptur und Architektur entworfen hat. Doch die Grundrisse, die die vier Arbeiten hinterfangen, zeigen: die Entwürfe waren keine architektonischen Sandkastenspiele, sondern hätten verwirklicht werden können.

Deutlich leuchtet in Ungers Arbeiten die Auseinandersetzung mit den russischen Konstruktivisten auf, allen voran mit El Lissitzkys Wolkenbügel. Etwa bei dem kantigen Entwurf für ein Museum der russischen Revolutionskunst, von dem neben dem kleinen Stahl- auch ein größeres Holzmodell zu sehen ist. Doch wie hätten diese Bauten wohl gewirkt, die im kleinen Format durch ihre ungeheuer sinnlich-haptische Qualität faszinieren? Einen Eindruck davon vermittelt das T-Haus in Wilton/ USA von 1992 aus rostigem Stahl, das zu den wenigen Bauten gehört, die Ungers verwirklichte. Doch der auf siebzig Meter Länge schwebende Riegel seiner „Pinakothek“, der im Modell so handlich erscheint, würde an die Grenzen des konstruktiv Machbaren führen.