Architektur Galerie Berlin

Bauwelt 12-2019 Ein roter Faden – Heike Hanada in der Architektur Galerie Berlin

Jan Friedrich

Sie habe künstlerische und entwurfliche Arbeit immer klar voneinander getrennt, erzählt Heike Hanada. Die Bedingungen, unter denen das eine respektive das andere entstehe, seien einfach zu unterschiedlich. Gleichwohl präsentiert die Berliner Architektin in ihrer aktuellen Ausstellung in der Architektur Galerie Berlin unter dem Titel „Metamorphosen“ nun erstmals Zeugnisse beider Sphären ihres Schaffens gemeinsam.

Dabei hätte der Zeitpunkt der Schau, so kurz nach der Eröffnung des Bauhaus-Museums in Weimar (Bauwelt 10), durchaus eine ganz andere Ausstellung nahegelegt: eine, die das Bauhaus-Museum – immerhin ihr erstes großes realisiertes Projekt – explizit zum Thema hat. Doch von den 25 Exponaten, die Hanada meist auf kleine Betonsockeln entlang der Wände des ansonsten unberührt belassenen Galerieraums gestellt hat, beziehen sich nur einige (vor allem die Fotos von Andrew Alberts) unmittelbar auf das Museum. Wortwörtlich genommen, „basiert“ allerdings der gesamte Ausstellungsaufbau doch auf dem Weimarer Haus: Die Betonsockel wurden aus demselben Beton und im selben Fertigteilwerk hergestellt wie die Museumsfassade.

Zu sehen ist ein breites Spektrum an Arbeiten aus 30 Jahren. Die älteste, der Entwurf für ein Tanztheater in Lausanne, stammt noch aus Hanadas Studienzeit an der HdK Berlin. Es gibt Volumen-Fläche-Studien in Wachs, Fotos künstlerischer Installationen, etwa vom Experiment mit bemehlten Flächen („Imperceptible Gardens“, Tokio 2004) oder von der Entblätterung eines leer stehenden Friseursalons („Density Of The Void III“, Tokio 2007), das Video einer Überlagerung unterschiedlich weißer Salz-Flächen („unschärfe.felder displacements“, Helsinki 2005).

Im letztgenannten Fall sind die Ausstellungstitel-gebenden Metamorphosen, die Verwandlungen also, unmittelbar im Video zu erleben. Doch auch in den übrigen Arbeiten spielen Themen wie „Dinge, die etwas sind und etwas an­deres werden (können)“, oder „Dinge, die etwas zu sein scheinen, aber auch etwas anderes sein könnten“ eine Rolle. Sie bilden, wenn man so will, eine Art roten Faden durch Hanadas Schaffen – und damit wohl auch ein unverzichtbares Hintergrundwissen für einen (erneuten) Blick auf das gerade eröffnete Weimarer Museum. Also doch eine explizite Bauhaus-Museum-Ausstellung?