Architektur Galerie Berlin

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Neue Zürcher Zeitung Pars pro Toto im Val Lumnezia

Jürgen Tietz

Schaut man auf die neuen Projekte der Basler Architekten Morger & Dettli wie den Claraturm und die Wohnüberbauung Erlentor in Basel oder das Sportzentrum in St. Moritz, dann gehört das Ferienhaus Trancauna im Bündner Dorf Lumbrein zu ihren besonders kleinen Arbeiten. Doch in ihm fokussiert Meinrad Morger seine architektonische Haltung: die Bedeutung des Orts, die Tradition und deren Transformation sowie die dabei entwickelte Atmosphäre des Raums. In den Hang gegraben, scheint sich das Haus zwischen seinen Nachbarn wegzuducken. Es will nicht laut, nicht auffällig sein und definiert dabei doch eine ganz eigene Raumerfahrung. Der schwarze Wärmedämmbeton unter dem Satteldach nimmt mit der Struktur der Holzschalung die baulichen Motive der Umgebung auf und verwandelt sie in ein konzentriertes Architekturerlebnis. Es ist jener in Deutschland so schmerzlich vermisste Schweizer Ansatz, Tradition und Moderne zu verschmelzen, ohne dabei in architektonische Larmoyanz zu verfallen. So erwächst aus dem Haus Trancauna eine pure Klarheit und eine faszinierend dichte Atmosphäre zugleich, die Morger & Dettli auch in die Ausstellung in der Architektur-Galerie Berlin transportieren. Sie verwandeln den Ausstellungsraum in eine Black Box, in deren Mitte die Betonmodelle der Umgebung und des Hauses selbst stehen. An den Wänden locken die stimmungsvollen Fotos von Ruedi Walti die Besucher ins sommergrüne Bündner Oberland und gleichen darin den durch die Fenster gerahmten Ausblicken aus dem Haus im Val Lumnezia.