Architektur Galerie Berlin

Bauwelt 23 / 2009 Same same but different

Sebastian Spix

Schon bevor man den „Werkraum“ der Architektur Galerie Berlin in der Karl-Marx-Allee betritt, ist man in der Ausstellung. Zwei hell erleuchtete Schwarz-Weiß-Fotografien – der Innenraum eines kargen Industriebaus und eine öde Landschaftsbrache – wurden mit Hilfe einer transluzenten Folie auf die quadratischen Schaufenster aufgebracht. Es sind die „Baugrundstücke“ der beiden aktuellen Großprojekte, die das 1997 gegründete Züricher Architekturbüro EM2N um Mathias Müller und Daniel Niggli unter dem Titel „same same but different“ vorstellt. Jeder Indien- oder Thailand-Reisende kennt die von Händlern gern benutzte Phrase, die so viel wie „ähnlich“ bedeuten soll. Erwarten den Besucher im Werkraum zwei „ähnliche“ Bauten?

Im Zentrum des Ausstellungsraums zwei Modelle auf Holzkisten: das Strukturmodell des „Mongolian School Project“, ein Internat für 3000 Schüler, das EM2N am Rande der neuen Stadt Ordos in der Inneren Mongolei planen, und die dichte Kubatur der ehemaligen Toni-Milchfabrik im Züricher Westen, die die Architekten zum Hochschulcampus der neu gegründeten Züricher Hochschule der Künste umbauen, ebenfalls für etwa 3000 Studenten (Foto: Ulrich Müller). Die Planzeichnungen an den Galeriewänden und die beiden Beamerpräsentationen mit bunten Diagrammen, Renderings und Referenzabbildungen – hier vor allem der „Downtown Athletic Club“ aus Koolhaas´ „Delirious Newyork“ und Aldo von Eyks Amsterdamer „Burgerweesenhuis“ – verdeutlichen die völlig unterschiedlichen Raumkonfigurationen der beiden Lehrstätten: Hier die kompakt vertikal geschichtete Züricher „Bildungsmaschine“, die mit einer bestehende Rampe als „vertikalen Boulevard“ erschlossen wird; dort die horizontale Formation des Internats in China, das, über Höfe und Grünflächen gegliedert, zu einem Campus vernetzt ist. Ähnliche Aufgabenstellungen – unterschiedliche Lösungen: „same same but different“.