Architektur Galerie Berlin

Hochparterre Von Draussen nach Draussen

Friederike Meyer

Normalerweise kommt das Haus in den Garten, bei Ulrich Müller in Berlin ist es anders herum. Seit Donnerstagabend zwitschern Vögel in seinem Galerieraum in der Karl-Marx-Allee, rascheln Blätter unter den Füssen der Besucher, verteilen Rhododendron, Birken und Farne ihren Duft. Es ist die erste Einzelausstellung des Zürcher Architekturbüros Edelaar Mosayebi Inderbitzin. Bekannt sind sie durch Wohnbauten in Zürich und Umgebung. Der Garten, so schreiben sie, sei ein wiederkehrendes Motiv in ihren Projekten: als entwerferischer Resonanz-Raum, als Sehnsuchtsort oder als motivisches Mittel. In Berlin inszenieren sie ihn mit Weg und Stuhl, mit Tümpel und Entengrütze, mit Sandsteinrelikt und Froschskulptur – und mit dem Blick ins Seleger Moor bei Zürich, dessen Dickicht 1:1 auf der Wandtapete abgebildet ist.

Die Besucher der Architekturgalerie haben in den vergangenen zehn Jahren viele atmosphärische Architekturausstellungen erleben dürfen, noch nie gab es eine derart radikale Verwandlung. Ron Edelaar, Elli Mosayebi und Christian Inderbitzin sehen darin Experiment und Botschaft zugleich. Sie fragen, wie sich der Begriff «picturesque» auf die Architektur übertragen lässt. Sie beobachten die Tendenz zum Abstrakten in der Architektur, der sie mit etwas Wahrhaftigem begegnen möchten, mit etwas, das, je näher man kommt, bis in die kleinste Blattader immer neue Details erkennen lässt. Gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Daniel Ganz wollen sie jenem Bild gerecht zu werden, das sie daheim in Zürich am Modell des Galerieraums entwickelt hatten, wollen einen gewachsenen Garten täuschend echt nachahmen. Indem sie ihr gebautes Portfolio konsequent zwischen zwei dunkelgrünen Buchdeckeln belassen und die Besucher stattdessen vom Draussen der Strasse ins Draussen des Gartens holen, gelingt ihnen, woran Architekturausstellungen oft scheitern: Sie stellen Raum aus.

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