Architektur Galerie Berlin

Die Tageszeitung Kunstrundgang

Brigitte Werneburg

Auch wenn Regina Polys Ausstellung in der Architektur Galerie Berlin Durchscheinende Dinge heißt: Die opaken Dinge sind die Bedingung der Möglichkeit, Transparenz überhaupt wahrzunehmen. Die Wiese, die man – ausgestreckt auf der Erde – im Blick hat, wirkt alles andere als durchscheinend. Und die Umrisse der Gräser und Blüten, die die Berliner Garten- und Landschaftsarchitektin in Styrofoam geschnitten hat, sind auch nicht transparent. Freilich hat Regina Poly in diesen weißen Scherenschnitten, die sie in deutlichem Abstand hintereinandersetzt, den Wiesenblick in seine Tiefenebenen zerlegt. Plötzlich wird deutlich, wie viel Freiraum zwischen den Gräsern und Kräutern ist. Deswegen sehen wir nicht nur eine grüne Farbfläche vor uns, sondern ein äußerst differenziertes, allemal aufmerksamkeits- und bekanntlich auch kunstwürdiges Rasenstück. Tatsächlich handeln alle Objekte – ob Collagen, Modelle oder Papierfaltarbeiten – von Regina Polys Gespür für Raum. Indem sie unvermutet Transparenz dort aufzeigt, wo man sie stets übersieht, lässt sie einen den umgebenden Raum noch einmal ganz neu entdecken.