Architektur Galerie Berlin

Berliner Zeitung Innen Kunst, außen Kunst

Sebastian Preuss

Die Kunsthalle auf dem Schlossplatz nimmt Gestalt an. Was bislang Fotomontage und Ideenskizze war, ist nun durchgeplante Architektur, fertig zur Realisierung, die im Mai beginnen soll. Im Oktober erhielten Coco Kühn, Constanze Kleiner und die Stiftung Zukunft Berlin den Zuschlag, ihr privat betriebenes Ausstellungshaus auf Zeit zu errichten. Nun präsentiert Adolf Krischanitz, der Wiener Architekt mit Berliner Dependance und UdK-Professur, seinen endgültigen Entwurf. Im Werkraum von Ulrich Müllers Architektur Galerie sind auf großen schwarzen Planblättern die Details zu studieren. In der Struktur ist der Bau alles andere als spektakulär, aber genau darin liegt ja seine Qualität und auch die Möglichkeit der kostengünstigen Realisierung. Es ist eine einfache rechteckige Kiste, 56 mal 20 Meter im Grundriss und 11 Meter hoch. In der Mitte liegt der 578 Quadratmeter große Ausstellungsraum, flankiert von einem Café auf der einen, dem Foyer und den Büros auf der anderen Seite.

Die Halle wird aus Holzträgern und zementgebundenen Platten konstruiert. Die Fassade hat Krischanitz nicht gestaltet, denn diese soll ständig von Künstlern bespielt werden. Mittlerweile steht auch der genaue Ort fest: direkt am Ufer des Spreekanals, schräg gegenüber vom Zeughaus. So wird die Halle die Schlossbaustelle nicht stören; hier bleibt für sie sogar die Möglichkeit offen, auch nach Vollendung des Humboldt-Forums weiter zu überdauern.

Zur Eröffnung, die für den 1. September vorgesehen ist, soll Gerwald Rockenschaub den Baukörper fassen. Er hat dafür eine weiße, geometrische Wolke auf poppigem Himmelblau entworfen, eine seiner typischen Pixel-Stilisierungen, zugleich ein (hoffentlich) freundlich gemeinter Gruß an das im Kunsthallen-Wettstreit unterlegene Wolken-Projekt. Krischanitz und Müller hatten nun die gute Idee, noch weitere Künstler um Entwürfe zu bitten. In strenger Reihung stehen die acht Modelle nebeneinander auf ihren Sockeln und zeugen von der Potenz der Berliner Kunstszene.

Fünf der acht würden die Außenplatten bemalen oder mit bedruckter Folie bespannen. So Franz Ackermann mit einer kubistisch-kristallinen Farbflächenlandschaft, oder Olav Christopher Jenssen, der spitzige Farbformationen aufreißt, mit frischen Farben und rasanten Geometrien den klassischen Konstruktivismus in eine gegenwärtige Fassung überführt. Eine Überraschung ist der Vorschlag von Tal R, der eigentlich für seine burleske, in roher Holzschnitt-Ästhetik formulierte Phantasiefiguren bekannt ist. Hier aber will er die Kastenarchitektur mit schrägen, wie hastig hingepinselt wirkenden Streifen in Rot und Schwarz versehen. Ausgeführt würde das Ganze dann wie ein riesiger Geschenkkarton aussehen.

Ausgerechnet Valérie Favre, die „malerischste“ Künstlerin unter den acht, hat sich dem Fassadenbild ganz verweigert. Sie verwandelt die Kunsthalle in einen Drive-in. Auf einer Rampe fährt man aufs Dach, wo man sich in zehn Buchten Projektionen anschauen kann. Spektakulär ist Anselm Reyles Idee, den ganzen Bau mit der verknautschten Folien einzupacken, aus der er gewöhnlich seine begehrten Wandobjekte macht. Hinter Spezialgläsern ergeben sich faszinierend schillernde Holographie-Effekte. Und auch Olaf Nicolai möchte den Quader in eine magisch funkelnde Skulptur verwandeln. Er hüllt den Bau in ein welliges Kleid aus Glaskugeln, in jeder ein LED-Licht, so dass sich eine ganze Lichtsinfonie spielen ließe.

So spektakulär, wie es die Kunsthalle nach dieser Ausstellung erwarten lässt, hat sich moderne Kunst bislang noch selten ins Stadtbild eingebracht.

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