Architektur Galerie Berlin

Navigation

artnet Kunsthallenträume

Dominikus Müller

Dass Berlin eine temporäre Kunsthalle auf dem Schlossplatz bekommen soll, ist seit längerem klar. Am Abend des 14. Februar wurden nun auf Initiative des Architekten der Kunsthalle, Adolf Krischanitz, und des Leiters der Architektur Galerie Berlin, Ulrich Müller, im Werkraum der Architekturgalerie neben dem Gebäude selbst auch acht Entwürfe für die Bespielung der Außenhaut vorgestellt. Der funktionale Bau, den Krischanitz für etwa 850.000 Euro errichten will, soll nicht nur Kunst beherbergen, sondern dank einer von Künstlern gestaltete Außenseite auch – so Krischanitz – wie ein „Schaufenster“ funktionieren, durch das die Kunst „in den Stadtraum hinein interveniert.“
Neben dem bereits bekannten Entwurf einer abstrahierten Wolke auf blauem Grund von Gerwald Rockenschaub, der nicht von ungefähr auf den gescheiterten Konkurrenzentwurf namens „Wolke“ referiert, den das Architektenbüro Graft Berlin zusammen mit dem Kunstmagazin Monopol vorgelegt hatte, sind Vorschläge von Franz Ackermann, Valérie Favre, Olav Christopher Jenssen, Olaf Nicolai, Tal R, Anselm Reyle sowie Corinne Wasmuth zu sehen: Ackermann und Jenssen legen abstrakte geometrische Farbentwürfe vor, Tal R gibt dem kantigen Bau von Krischanitz den Anstrich einer Verkehrsabsperrung, Reyle verpackt sein Kunsthallenmodell in die für ihn typischen schimmernden Glas- und Folienstrukturen, Wasmuth beklebte ihr Modell mit einer Zitatensammlung schon bestehender Arbeiten. Favre, die auf das Dach des Gebäudes ein Autokino bauen möchte und Nicolai, der den Großteil des White Cubes unter einem elegant geschwungenen Berg von Blasen begraben will, geben dagegen eher die träumende Fraktion, deren Entwürfe wohl schwerlich umsetzbar sein werden.

Doch das tut hier letztlich nichts zur Sache, wird doch wahrscheinlich keiner der präsentierten Vorschläge – mit Ausnahme von Rockenschaubs – realisiert. Der Sinn des Ganzen ist also eher in einer prominent besetzten Marketingaktion zu sehen, die vielleicht einfach noch einmal vorführen soll, wie groß die Unterstützung für das Kunsthallenprojekt in den Künstlerkreisen Berlins ist. Darüber hinaus soll sie die „Temporäre Kunsthalle“ natürlich im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit halten, denn der Termin für die Eröffnung ist vom ursprünglich geplanten April auf den 1. September gerutscht. Dafür soll nun im April das künstlerische Programm vorgestellt werden, mit dem die insgesamt bis 2010 geplanten acht Ausstellungen bestritten werden sollen. Dann weiß man vielleicht mehr, welche Form das Projekt in Zukunft annehmen wird.