Der Tagesspiegel
White Cube – Tempoknick

Review

Seitdem die Organisatoren des „White Cube“ im Herbst den Zuschlag für ihre temporäre Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz bekommen haben, haben sich nicht wirklich die Nebel um das ambitionierte Projekt gelüftet. Eher unfreiwillig präsentiert sich das Unternehmen bislang als wolkiges Gebilde – und das, obwohl die von der Stiftung Zukunft Berlin unterstützte Initiative eigentlich die von den Graft-Architekten entworfene „Wolke“ aus dem Feld geschlagen hatte. Die zunächst für Anfang April terminierte Eröffnung der Kunsthalle zur fünften Berlin-Biennale kann nicht eingehalten werden. Diverse Genehmigungsverfahren und Abstimmungsformalitäten mit anderen Akteuren am Schlossplatz – etwa BKA-Zelt oder Relais Landschaftarchitektur, die das gärtnerische Konzept des Platzes betreuen – haben sich als unerwartet langwierig erwiesen.

Und nun wird es noch später. „White Cube“-Initiatorin Constanze Kleiner sprach gestern vom „Spätsommer“ als voraussichtlichem Eröffnungstermin. Genaueres soll bekannt gegeben werden, wenn am 14. Februar in der Architekturgalerie Berlin die Baupläne des Wiener Architekten Adolf Krischanitz in einer Ausstellung vorgestellt werden und acht prominente Berliner Künstler ihre Entwürfe für eine Gestaltung der 56 mal elf Meter großen Fassade präsentieren, darunter Franz Ackermann, Anselm Reyle und Olaf Nicolai. Zugleich verbindet sich damit die Hoffnung, endlich Konkretes über das künftige Programm zu erfahren, von dem bislang nur bekannt ist, dass es seinen Schwerpunkt bei Berliner Künstlern haben wird.

Volker Hassemer von der Stiftung Zukunft Berlin erklärte, dass sich trotz der Verschiebung um mindestens ein Vierteljahr nichts an der zweijährigen Laufzeit des privat finanzierten Unternehmens ändern werde. Selbst von einem vorzeitigen Baubeginn des Humboldt-Forums bliebe der „White Cube“ unberührt. Die Baukosten in Höhe von 850.000 Euro blieben ebenfalls unverändert. Das gelte auch für die Bauabläufe. Zwei Monate nach Beginn der Arbeiten werde die Kunsthalle betriebsfertig sein, versprach er. Der ehemalige Berliner Kultursenator nannte die Verzögerung eher vorteilhaft bei der Suche von Sponsoren.

NK